Schlange stehen in Buenos Aires

Wer oft genug fliegt, kommt garantiert früher oder später auch mal in ein größeres Schlamassel. Mal sind es Schnee und Eis, mal ein Vulkanausbruch, der alles blockiert. Der Zufall entschied sich dieses Mal für mich und lies den kompletten Funkverkehr aller Flughäfen in Buenos Aires zusammenbrechen.

Nichts geht mehr, keine Starts, keine Landungen. Das totale Chaos. Es bilden sich lange Schlangen gestrandeter Passagiere. Aber wohin führen sie? Aus dem Gebäude raus, ins Gebäude rein. An einer Stelle treffen zwei Schlangen aufeinander. Es entsteht ein Streit darüber, welche nun die richtige sei und wer dem zufolge als erster dran ist. Abgesehen von ein paar kleineren Scharmüzeln dieser Art, warten alle stoisch ruhig darauf, dass sich die Menschenschlange ein kleines bisschen vorwärts bewegt.

Schnell bilden sich kleine Grüppchen Reisender, die sich über die wenigen Informationen, die man irgendwo aufschnappt austauschen. So erfahre ich auch, dass ich eigentlich mein Gepäck hätte abholen sollen. Kein Problem, meine neue Herde hält mir den Platz frei.

Wilde Spekulationen gehen durch die Reihen. Wann wird man wohl weiter fliegen können und wo verbringt man die Nacht? Das augenscheinlich herrschende Chaos vermittelt dem kontrollbesessenen Europäer nicht unbedingt das Gefühl guter Organisation.

Nach etwas mehr als einer Stunde Schlange stehen geht dann alles ganz schnell und unkompliziert. Ich erhalte einen neuen Boardingpass für einen Flug am nächsten Morgen und eine Hotelübernachtung inklusive Abendessen, Frühstück und Transport. Wie schon so oft in Lateinamerika, es funktioniert immer alles irgendwie!

Ein Minibus bringt uns zum Hotel. Ich frage mich, was das wohl für eine Absteige sein wird. Aber nach einer Nacht im Flieger und einem Tag am Flughafen ist mir das eigentlich egal. Hauptsache ein Bett und eine Dusche. Um so erstaunter bin ich, als der altersschwache Minibus in bester Innenstadtlage an der Avenida 9 de Julio, mit insgesamt 16 Spuren die breiteste Straße der Welt, vor dem 4-Sterne-Hotel Conte hält. Nicht einmal das Gepäck dürfen wir selbst ins Hotel bringen, das macht selbstverständlich der Page! Ihre Hotelgutscheine wedelnd stürmt darauf hin eine Horde junger Erwachsener in Jeans und T-shirt die aufgeräumte und vornehme Lobby.

So wie die Lobby, wirkt auch mein Zimmer, auf den ersten Blick sehr nobel. Es ist riesig, mit einem riesigen Bett, auf dem pro Seite jeweils drei Kissen liegen. Die Wand ist Holzvertäfelt, das Bad ist sogar mit Bidet ausgestattet.

Da hat sich Aerolíneas Argentinas wirklich um eine angemessene Entschädigung bemüht.

Von Urlaub war zwar an diesem ersten Reisetag nicht viel zu spüren, aber jetzt sitze ich tatsächlich im Flieger nach El Calafate. Und weil dieser Flug via Ushuaia geht, erhalte ich als Bonus noch einen kleinen Rundflug über die spitzen Berge Feuerlands. Wenn das mal nichts ist!

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2 Kommentare zu “Schlange stehen in Buenos Aires

  1. mensch, das hat ja gedauert bis der erste bericht kam… paßt du dich jetzt südamerikanischen verhältnissen an ? 😉
    also den nächsten bericht bitte ein bisschen flotter, bist ja schließlich nicht zum vergnügen da, gell ?
    wünsch dir einen schönen tag !
    lg
    sirkka

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