Wilde Fahrt durch die Puna

Ich bin in Salta und stelle fest, ich habe schon wieder zu wenig Zeit eingeplant! Voll verplant oder einfach doch zu wenig Urlaub?

Ok, Salta ist subtropisch schwül-warm und meine Haare sehen wegen der hohen Luftfeuchtigkeit wie explodiert aus, aber trotzdem, mir gefällt es hier.

Aber eben leider zu wenig Zeit. Um das Optimale raus zu holen buche ich also die größte Tour, die es gibt. Sie deckt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Umland ab und dauert 15 Stunden. Ein mörderisch langer Tag im Bus, denke ich. Am Morgen dann stellt sich heraus, wir sind nur zu dritt, deshalb fährt unser Guide mit seinem Auto vor. Irgendein Fiat, älteren Baujahrs.

Und los geht es entlang der brühmten Zugstrecke des Tren a las Nubes, dem Zug in die Wolken, der sich bis zum, auf 3775 m hoch gelegenen San Antonio de los Cobres hinauf windet.

Hoch ragen die Berge auf beiden Seiten aus, die Vegetation wird immer spärlicher und irgendwann stehen baumhohe Kakteen wie Wächter an den bunten Berghängen der Quebrada del Toro.

Die erste kurze Pause machen wir in Santa Rosa de Tastil, auf mittlerweile 3100 m. Oberhalb der Stadt befinden sich die Ruinen einer präinka Siedlung. Bevor die Inka kamen, lebten hier 2000 bis 2500 Menschen.

präinka SiedlungImmer höher führt uns die Straße, bis auf über 4000 m bevor es wieder ein paar Meter runter geht in die verschlafene Bergarbeiterstadt San Antonio de los Cobres.

Unser Guide hat sich mittlerweile ein paar Kokablätter in die Backe gestopft. Von mir aus, wenn das hier Tradition hat. Aber ich versteh ihn kaum noch, er spricht als ob er heiße Kartoffeln im Mund hätte. Und außerdem sieht es blöd aus, mit so einer ausgebeulten Backe!

San Antonio de los CobresNach der Mittagspause in San Antonio de los Cobres geht es weiter auf meiner geliebten Ruta 40. Nun ja, wir werden wohl keine Freunde mehr, die Ruta 40 und ich! Unser Fahrer hat sein Fenster offen, als ich merke, dass der Staub von der sandigen Schotterpiste schön an ihm vorbei zu mir nach hinten zieht, ist es schon zu spät. Ich sehe aus, als hätte ich mich im Sand gewälzt, meine Haare formen sich bereits zu Rastalocken. Ruta 40 fahren macht echt keinen Spaß!

Solangsam beschleicht mich ausserdem das Gefühl, dass der Konsum von Kokablättern sich irgendwie auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt. Unser Guide steuert seinen armen Fiat in hohem Tempo über die Schotterpiste. Es rumpelt und scheppert, Steine knallen gegen den Unterboden. Ob das dem Auto gefällt?

Nächster Stopp Salinas Grandes. Ein Salzsee, 525 km² groß. Und wir stehen mitten drauf. Mitten auf einer topfebenen strahlend weißen Fläche aus Salzkristallen. Nur der kleine weiße Fiat, drei Touristen und ihr Guide, sonst nichts. Stimmt nicht ganz, irgendwo da hinten sind ein paar Arbeiter, die das Salz abbauen.

Irgendwann hat auch die Fahrt auf der Ruta 40 ein Ende und wir biegen auf eine asphaltierte Straße ab. Ein Glück! Mühsam kriechen schwer beladenene Lastwagen vor uns die Passtraße hoch auf 4100 m, der höchste Punkt unserer Fahrt heute. Steil und in engen Serpentinen geht es nun wieder 2000 Höhenmeter nach unten. Funktionieren die Bremsen noch? Oh, ich will es hoffen! Unser Kokablätter kauender Chauffeur fährt doch ganz schön zügig. Keine Leitplanken, die uns nur ein wenig aufhalten könnten. Ich schau zu meinen beiden Compañeras rüber, ja, die schauen auch ein wenig verkrampft drein.

Quebrada del ToroEntspannen kann ich mich erst wieder als wir durch die fantastische Quebrada de Humahuaca fahren. Aber nicht etwa weil der Fahrstil weniger rasant wäre, sondern weil ich vollkommen hingerissen bin von den Farben und Formen des Cañons. Erosion hat die Felsen zu Wellen und anderen spektakulären Formationen geformt. Das findet wohl auch die UNESCO sehenswert und hat die Quebrada der Humahuaca zum Welterbe erklärt.

Und wann kommt der Fotostopp? Das Abendlicht wäre jetzt gerade perfekt! Wie schön sich die Felsformationen duch das Spiel von Licht und Schatten hervor heben! Ich weiß, wir halten noch einmal Purmamarca, beim Cerro de los Siete Colores, aber wann sind wir da? Los, gib Gas! Jetzt wäre es mir auch recht!

Ich könnte grad heulen! Wir sind in Purmamarca, ich seh genau, es gibt nur noch ein paar Minuten gutes Licht, dann verschwindet die Sonne hinter den Bergen und wir sind mitten im Ort. Überall Häuser und Stromleitungen. Keine Chance ein vernünftiges Foto der umliegenden bunten Berge zu machen!

Was sollen wir überhaupt hier? Unser Fahrer hat uns direkt am Marktplatz aussteigen lassen. An einem Touristenmarkt mit bunten Deckchen, Handtäschchen und Geldbeuteln, von denen der einfache Tourist glaubt, sie wären authentisch für die Andenregion. Offensichtlich sollen wir hier konsumieren. Gut, dann kauf ich wenigstens eine Postkarte von der Quebrada de Humahuaca, wenn ich schon kein Foto machen kann.

Das war dann auch der letzte Höhepunkt der Tour. Es ist ja auch bereits dunkel. Zwei Stunden dauert die Fahrt zurück nach Salta. Zwei lange Stunden! Unser Guide hat es jetzt besonders eilig, er fährt wie der Henker! Geschwindigkeitsbegrenzung? Egal! Überholverbot? Egal! Wie ein Rowdy fährt er, fährt dicht auf, gibt Lichthupe wenn sich vor ihm einer erdreistet sich an die Verkehrsregeln zu halten.

Wir haben es geschafft. Doch noch wohlbehalten sind wir zurück in Salta. Ich denke ich höre nicht recht, unser Fahrer bedankt sich bei Gott, dass wir wieder gesund zurück sind! Soll er doch besser vernünftig fahren, dann braucht er nicht auf himmlischen Beistand hoffen!

 

Puna – argentinische Hochwüste

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3 Kommentare zu “Wilde Fahrt durch die Puna

  1. Vielen Dank! 🙂

    Leider ist meine Reise auch schon wieder vorbei! Bin seit gestern Abend wieder zu Hause 😦
    Es fehlt aber noch der Bericht von meinem Aufenthalt auf einer Estancia bei den Gauchos. Kommt die nächsten Tage dann.

  2. herrlich, deine beschreibung der rasanten autofahrt!
    da hatten wir vor ein paar jahren mehr glück mit dem fahrer. auch wir dachten, der bus wird voll, und dann war es nur ein pick up, der fahrer und vier tuoristen. er hat überall angehalten, wo wir schöne fotos machen konnten und auch viel erklärt. leider hatten wir aber wolken in der farbenprächtigsten gegend…
    salta ist einfach fantastisch!
    antje

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