In der Pampa bei den Gauchos

Endlich bin ich da. Ein lang gehegter Traum wird war: mit den Gauchos durch die Pampa reiten!

Mit dem Bus bin ich bis nach Lezama, bei Chascomus gekommen, hier holt mich Patricia, die Chefin der Estancia ab. Wir fahren noch einmal 40 Minuten über das unendlich weite Grasland bis zur Estancia. Kein Berg begrenzt die Sicht. Ein riesiger Himmel, durchzogen von dünnen Wolkenfäden, bildet mit der topfebenen Pampa eine schnurgerade Horizontlinie. Unterwegs auf der staubigen Straße treffen wir kaum auf andere Autos, ringsum nur Felder, Weiden und unendliche Weite. Vermutlich leben hier mehr Tiere als Menschen. Kein Lichtermeer einer Stadt überstrahlt den Sternenhimmel, keine Abgase, die die Sicht vernebeln. Der fast volle Mond leuchtet klar und silbern.

Dann fahren wir durch ein großes mit einem Bogen überspanntes Gatter, auf dem der Name der Estancia steht, El Venado. Die Estancia trägt den Namen des Flusses der sich durch ihr Land schlängelt. Aber das Haus ist immernoch nicht zu sehen. Einige Hundert Meter und ein paar Gatter später stehen wir dann vor dem Haus im spanischen Hacienda-Stil. Dahinter verbirgt sich ein großer idyllischer Garten mit Bäumen aus aller Herren Länder, den viele verschiedene Vögel, darunter auch grüne Wellensittiche, ihr zu Hause nennen.

Am nächsten Morgen werde ich von dem vielstimmigen Vogelkonzert geweckt. Ich habe selten so gut geschlafen. Nur das leise Fiepsen einer Fledermaus durchbricht hier draußen hin und wieder die nächtliche Stille.

Heute darf ich Juan, dem sonnengebräunten Gaucho und Herr über 250 Polo-Pferde, die Patricias Bruder hier züchtet, ein wenig helfen. Wir reiten raus auf eine der zahlreichen Weiden, um die Pferde dort zu kontrollieren. Sind alle unverletzt, keiner krank, die Zäune noch in Ordnung? Alles klar und es geht wieder zurück. Das war schon mal ganz nett und interessant, aber nur halb so spektakulär wie das, was danach kommt!

Mit aufrechter Haltung und breiten Schultern reitet der stolze Gaucho Hugo auf den Hof. Klar, mit so einem schicken Pferd, da wäre ich auch stolz! Seine Kühe müssen zum Zählen auf eine Weide zusammengetrieben werden und wir sollen ihm helfen. Das klingt doch nach echter Gaucho-Arbeit! Wir beginnen mit den kleineren, den frechen Halbstarken. Mit einer Mischung aus Angst und Neugier beäugen die kleinen Kühe erstmal die Pferde. Doch schließlich siegt die Furcht und sie treten die Flucht in die gewünschte Richtung an. Die Mutigeren jedoch hören den Ruf der Freiheit und wollen lieber eigene Wege gehen. Immer wieder müssen kurze Sprints mit dem Pferd hingelegt werden, um sie zum Rest zurück zu treiben. Manch kleines Rind ist aber auch richtig renitent und will partout nicht durch das nächste Gatter gehen. Wild geht es hin und her, mit lauten Rufen, Pfeifen und Schnalzen versuchen die Gauchos es durchs Gatter zu treiben. Aber fast schon flink wie ein Hase gelingt es der kleinen Kuh immer wieder den Gauchos zu entwischen und zwischen den einzigen Bäumen die weit und breit stehen zurück bis ganz ans andere Ende zu rennen. Juan findet das nicht so lustig, muss er doch jedes mal hinterher galoppieren! Es hilft alles nichts, das Lasso wird ausgepackt. Gekonnt fängt Hugo das kleine widerspenstige Rind ein und letztendlich hat es doch keine andere Möglichkeit mehr, als zu tun was von ihm verlangt wird.

Dann sind die großen erwachsenen Rinder dran. Die kennen das Prozedere schon. Hunderte große, stämmige schwarze Rinder setzen sich in Bewegung. Eine Staubwolke umhüllt die Herde, als die schweren Tiere über die trockene Pampa trotten. Zwei Stiere tragen noch schnell, ihre riesigen Schädel aneinander stossend, ihre Differenzen aus. Von denen halt ich mit meinem zierlichen Polo-Pferd lieber etwas Abstand!

Nach drei Stunden ist es geschafft, alle Kühe sind wohlbehalten da wo sie sein sollen. Und wir reiten etwas erschöpft zurück zur Estancia, in einen furiosen Sonnenuntergang in der argentinischen Pampa.

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