Geheimnisvoller Cotopaxi

Der Vulkan Cotopaxi hat es mir nicht leicht gemacht. Er ist mit 5897 Meter zwar nicht der höchste Vulkan Ecuadors, mit seiner fast perfekten konischen Form und seiner weißen Kappe aber das Wahrzeichen Ecuadors schlechthin. Und obendrein ist er für jedermann relativ leicht zugänglich. Von einem Parkplatz auf 4500 Meter läuft man 300 Höhenmeter einen steilen Weg über feinen Vulkanschotter zum Refugio José Rivas.

Soweit so gut. Tagesausflüge zum Cotopaxi kann man von Quito oder Latacunga aus organisieren. Nun, zumindest in der Theorie. Bei meinem ersten Versuch kam ich sonntags in Quito an und wollte gleich am Montag zum Cotopaxi. Ein vollkommen unmögliches Unterfangen, denn das ansonsten so laute Quito wird sonntags zur Geisterstadt. Alles hat geschlossen. Gut, dann halt am Dienstag. Aber auch das sollte nicht sein, denn am Montag hat mich ein Fieber dahingerafft.

Nächster Versuch eine Woche später von Latacunga aus. Aber auch hier stand es Spitz auf Knopf. Denn eine Tour zu finden war gar nicht so einfach. Die Ausflüge werden normalerweise erst ab zwei Personen durchgeführt, ich war diesmal alleine und scheinbar auch der einzige Tourist in Latacunga, der zum Cotopaxi wollte! Schlussendlich hat sich doch einer erbarmt und für mich alleine die Tour gemacht, mir dafür aber auch 10 US$ mehr abgeknöpft.

Wenigstens sieht das Wetter an diesem Morgen etwas besser aus als einen Tag zuvor. Zwar noch bewölkt, aber hier und da schaut schon der blaue Himmel durch.

Erste Teepause ist am Museum im Nationalpark, das derzeit jedoch wegen Renovierung geschlossen ist. Dafür gibt es auf mittlerweile 3600 Meter Höhe einen leckeren Coca-Tee.

Dann geht es auch schon hoch hinauf zum Parkplatz. Der Guide schmeißt mich dort bei heftigem Wind und Graupelschauer raus. Der Graupel lässt zwar nach einer Weile nach, der Wind jedoch nicht! So richtig Spaß macht das gerade nicht! Ein wenig komme ich mir vor wie Reinhold Messner, der den Mount Everest besteigt. Nach einer dreiviertel Stunde ist es dann geschafft, ich bin am Refugio José Rivas auf 4810 Meter angelangt. Neuer persönlicher Höhenrekord! Drinnen erwartet mich ein heißer Tee bevor es wieder an den Abstieg geht. Als ich wieder aus der Hütte komme, schneit es heftig und der Gipfel, gut 1000 Meter über mir ist immer noch in dichte Wolken gehüllt.

Nun ja, vielleicht lichten sich die Wolken ja noch, denke ich mir auf der Fahrt zur Lagune. Aber auch während dem etwa einstündigen Spaziergang rund um die Lagune will sich der Cotopaxi nicht voll und ganz zeigen. Macht aber nichts, denn der Weg um die Lagune ist mit vielen bunten Blümchen gesäumt und in der Lagune tummeln sich eine Schar Vögel. Also was soll’s, es war trotzdem ein schöner Tag und ich war immerhin auf dem Cotopaxi. Dann kauf ich mir eben eine schöne Postkarte, wenn es mit einem eigenen Foto von dem schönen Vulkan nichts wird.

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Baños – wie der Name schon sagt: ziemlich nass

Schon wieder ein Schönwetter-Fahrrad! (siehe Argentinien: Bittersüßes Bariloche) Und das in Baños, wo es doch relativ häufig regnet.

Gestern hat es mich schon bei der Wanderung an den Flanken des Vulkans Tungurahua vollkommen eingenässt und heute bei der Fahrradtour schon wieder!

Der Stadtplan von der Touri-Info klärt mich darüber auf, dass von Juni bis September Regenzeit in der Region herrscht. Dann wäre zumindest der viele Regen erklärt. Aber wieso sparen alle Fahrradverleiher an den Schutzblechen? Finden die den Gedanken lustig, dass die Gringos nasse Popos kriegen?

Bei schönem Wetter macht die Fahrradtour entlang der Ruta de las Cascadas, der Straße der Wasserfälle, bestimmt mehr Spaß. Der Weg führt entlang der Straße von Baños nach Puyo fast nur bergab. Die häufigen Tunnel können umfahren werden. Und das sind meist die schönsten Abschnitte der Strecke. Die Umfahrungen sind kleine alte Straßen, eingeklemmt zwischen Berg und Schlucht und führen oft durch kleine Dörfchen.

Von der Straße aus kann man dann die ersten Wasserfälle bestaunen, die tief in die Schlucht stürzen. An einigen Stellen gibt es einfache Korb-Seilbahnen, mit denen man über das Tal hinweg zum Wasserfall fahren kann. Zu zwei weiteren Wasserfällen muss man tief in die Schlucht absteigen, um ganz nah ran zu kommen. Der bekannteste ist wohl der Pailón del Diablo, der auch viele einheimische Sonntagsausflügler lockt.

Wassermassen stürzen zwischen den engen Felsen herab und wirbeln einen feinen Wassernebel auf. Da bleibt keiner wirklich trocken! Mir scheint sogar, als würden die Einheimischen einen Wettbewerb daraus machen, wessen Kleidung und Haare am nassesten sind. Das würde ich ja noch verstehen, wenn eine Bullenhitze herrschen würde, aber es sind gerade mal um die 20°C.

Wenn auch die Talfahrt mit dem Rad nicht wirklich anstrengend war, die Auf- und Abstiege zu den Wasserfällen reichen dann doch aus um wirklich ins Schwitzen zu kommen.

Zurück geht es dann bequem mit dem Bus oder einem Kleinlaster, der einfach Räder und Passagiere hinten auflädt.

Ecuador kompliziert oder Kuriositäten aus Ecuador

Und auch das muss einmal gesagt werden: Ecuador ist manchmal ganz schön kompliziert!

Los geht es mit den Geldautomaten. Nur weil VisaPlus drauf steht, heißt das noch lange nicht, dass es auch geht! Gleiches gilt auch für andere Karten. Ausprobieren ist angesagt. Kleiner Tipp: Mit der Postsparkarte kriegt man bei Banco Pichincha kein Geld, bei Banco Guayaquil aber fast immer.

Weiter geht es mit dem Handy. SMS nach Deutschland schicken: unmöglich. Auch nicht mit einer einheimischen Prepaidkarte. Empfangen kann man SMSen aus Deutschland, nur antworten geht nicht.

Für den Hausgebrauch gibt es praktische 25 Liter Wasserflaschen. Die kosten 12 $ Pfand. Nur wo man leere Flaschen abgeben kann und das Pfand zurück kriegt, das weiß keiner. Die üblichen Stellen tauschen nur leer gegen voll. Wozu also Pfand?

In Quito gibt es ein tolles Bussystem, das ähnlich wie eine Tram funktioniert. Es gibt drei Linien, die in Nord-Süd-Richtung verkehren. Will man nun aber die Stadt in Ost-West-Richtung durchqueren, um beispielsweise von einer Linie zur anderen zu kommen, kann das ganz schön kompliziert werden. Und so kann ein Ausflug zu Mitad del Mundo (dem Äquator-Monument) schnell mal zu einer gefühlten Weltreise werden. Erkenntnis dabei: Am besten ein Taxi nehmen.

Auch auf abgemachte Uhrzeiten ist kein Verlass. Und das nicht nach hinten raus, wie man es üblicherweise bei Latinos erwarten würde. Nein, aus 8 Uhr wird ohne Vorwarnung 7.15 Uhr und aus 9.30 Uhr plötzlich 9 Uhr. Na, wer hätte das gedacht! Das Beste kommt aber noch. Man erhält dann auch noch Vorwürfe, dass man zu spät sei oder eben nicht auch schon 45 Minuten früher fertig wäre.

Verdrehte Welt!

Der Regenwald – das grüne Mysterium

Das Amazonastiefland. Ein grünes Mysterium. Da wollt ich doch auch mal hin. Jetzt in Ecuador war das endlich möglich.

Ecuador hat zwar keinen direkten Anteil am Amazonas, ist aber Ursprungsland zahlreicher Quellflüsse. In Ecuador heißt dieser Teil des Landes auch schlicht Oriente, Osten.

Da mein gewohntes Habitat ja eher die gemäßigten Klimazonen sind, war ich mir nicht ganz sicher ob mir auch der Regenwald gefallen würde. In meiner Vorstellung regnet es dort immer, ist es ziemlich schwül-heiß und es hat unerträglich viele Mücken. So entschied ich mich sicherheitshalber erst einmal nur für eine eintägige Dschungeltour am Río Napo.

Los ging es von Puerto Misahuali mit dem Motorkanu zur ersten Station, einem indigenen Dorf. In einem der traditionellen, auf Pfählen gebauten Holzhäusern gab es bereits den ersten Snack. Dicke Maden in einem kleinen Bananenblattpacket und Salzwasser gekocht. Sieht ziemlich unappetitlich aus, schmeckt aber überraschend lecker. Durch das Garen direkt auf der Glut erhalten die Maden ein Aroma wie geräuchert. Dazu gab es Kochbananen und Yuca. In dem Haus mit der offenen Feuerstelle gab es dann auch die ersten Schweißausbrüche und das nicht vor Ekel vor den Maden! Übrigens, neben dem offenen Feuer gibt es auch einen richtigen Gasherd, Strom und natürlich Satelittenfernsehen. Die Dorfgemeinschaft lebt von der Landwirtschaft. Bioanbau ist hier selbstverständlich und darauf ist man stolz.

Weiter ging die Fahrt mit dem Motorkanu zur nächsten Station. Nun war ich schon sehr glücklich über den kühlenden Fahrtwind.

Der Guide führte uns auf einen kurzen Spaziergang quer durch den Wald. Was ist das für ein Guide, der kein Messer dabei hat? Ein Glück war die Deutsche mit dem nigelnagelneuen Schweizer Taschenmesser dabei! Und was für ein Einweihungsfest für mein neues Taschenmesser! Es durfte ein Rohr für Pfeile basteln, verschiedene Pflanzen mit medizinischer Wirkung, ein fächerartiges Blatt, aus dem man lustige Hüte basteln kann, abschneiden und sogar einen Termitenbau ankratzen. Temperaturzwischenstand: Im Schatten des Waldes erträglich. Am Ende des furiosen Taschenmessereinweihungsfestes gelangten wir bei einem anderen Dorf mit einem kleinen Museum an. Das Museum stellt einige Fallen aus mit denen früher und zum Teil auch heute noch gejagt wird. Der Museumswärter hatte viel Freude daran uns jede Falle bis ins kleinste Detail zu erklären. Unsere Freude schwand jedoch von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück. Irgendwann war aber auch das überstanden und wir durften zur Belohnung ein wenig in Hängematten entspannen.

Und weiter ging die Fahrt zur nächsten Station, dem AmaZOOnico, einer Tierauffangstation. Temperaturzwischenstand: Absolut unerträglich schwül-heiß, komplett nassgeschwitzte Klamotten. Unter diesen Umständen hatte ich nicht viel Spaß mehr daran verschiedene Affen in Käfigen und Kaimane in Tümpeln zu betrachten. Die ersehnte Abkühlung brachte endlich die Rückfahrt mit dem Motorkanu bei bereits vorabendlich schöner Lichtstimmung.

Fazit also, einzig meine Befürchtung über die viel zu heißen Temperaturen wurden bestätigt. Geregnet hat es keinen Tropfen. Auch Mücken waren kein Problem, oder das Autan so gut.