Naturschauspiel Perito Moreno Gletscher – der große Abbruch 2012

In regelmäßigen Abständen blockiert der bekannte Perito Moreno Gletscher in argentinischen Patagonien einen Nebenarm des Lago Argentinos.

Der Perito Moreno Gletscher ist Teil des Campo de Hielo Sur, ein riesiges kontinentales Gletschergebiet in Patagonien. Trotz Klimaerwärmung befindet sich der Gletscher noch in einem fragilen Gleichgewicht und schiebt sich jeden Tag etwa einen Meter ins Tal. Daher trifft er alle paar Jahre auf das gegenüberliegende Ufer und blockiert damit den Brazo Rico, einen Nebenarm des Lago Argentinos. Der Wasserspiegel steigt dadurch an und irgendwann kann die Eismasse dem Druck nicht mehr standhalten und bricht unter großem Getöse in sich zusammen.

Das Spektakel lockt jedes Mal tausende Touristen an, nur dieses Mal hat der Gletscher keine Rücksicht auf die Touristen genommen und brach fast unbemerkt in der Nacht zum 4. März 2012 zusammen.

Bilder vom 2. März 2012:

Und so sah der letzte Abbruch 2008 aus:

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Die Argentinier und ihr Mate

Carolina, a gauchita

Wo man geht und steht, ob auf der Straße, in Parks, in Bussen oder in der weiten Wildnis Patagoniens, einfach überall in Argentinien sieht man Menschen mit einem Trinkhalm aus einem kleinen kugeligen Gefäß trinken. Sie trinken Mate-Tee, das Nationalgetränk schlechthin.

Ganz richtig ist die Bezeichnung Mate-Tee jedoch nicht. Mate bezeichnet eigentlich den kleinen, meist aus einem ausgehölten Kürbis bestehenden Becher. Die Teeblätter heißen Yerba. Im Laden kauft man dann Yerba Mate.

Yerba Mate in Grocery Store

Unübersichtlich groß ist die Auswahl im Supermarkt. Es gibt den Yerba Mate con palo oder sin palo, also mit oder ohne Stängelstückchen, grün (Taragin) oder geröstet (Mate real) und in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Orange oder Minze. Das Kaffeeregal wirkt im Vergleich dazu winzig. Das verwundert auch nicht, 0,9 Kilogramm Kaffee Jahresverbrauch pro Kopf stehen 6,4 Kilogramm Yerba Mate gegenüber.

Und woher kommt das alles? Die Argentinier produzieren ihren Yerba Mate überwiegend selbst. Die Jahresproduktion liegt bei 250 000 Tonnen. Ein Großteil kommt aus der nordöstlichen Provinz Misiones, wo rund 15 000 Mate-Bauern mit rund 70 Millionen Baumsträuchern etwa 130 000 Tonnen pro Jahr produzieren.

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Und was ist nun so gut an Mate? Ein Argentinier meinte, es schmeckt gut und ist sehr gesund. Seine Schwester wiederum gestand, dass es eigentlich gar nicht so gut schmeckt, aber das ganze Drumherum macht es aus. Und tatsächlich, Mate trinken ist nicht einfach einen Teebeutel in die Tasse hängen, heißes Wasser drauf und fertig. Mate trinken ist eine wahre Zeremonie. Das Mategefäß wird zu zwei Dritteln mit den Blättern gefüllt und kurz geschüttelt. Dann steckt man den metallenen Trinkhalm, die sogenannte Bombilla, hinein und füllt mit wenig Wasser auf. Meist trinkt man in geselliger Runde, das Gefäß wird ähnlich wie ein Joint rum gereicht.

Probieren ist Pflicht. Und wer an dieser Tradition Gefallen gefunden hat, kann auch in Deutschland über zahlreiche Online-Shops Yerba Mate samt Zubehör bestellen.

Video-Anleitung zur Mate-Zubereitung:

Was ist Mate und wie wird er zubereitet:

Mate-Tee-Blog: www.mate-tee-blog.com

Wikipedia-Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Mate

Hier kann man zum Beispiel Yerba Mate kaufen*:

delikatissimo – Lebensmittel aus Südamerika: www.delikatissimo.de

La Boca – argentinische Spezialitäten: www.argentinische-spezialitaeten.com

*Hinweis: Die Shops habe ich noch nicht getestet.

Stippvisite in Buenos Aires

Buenos Aires, Metropole am Río de la Plata, Hauptstadt von Argentinien. 13 Millionen Menschen leben in der Metropolregion, das ist ein Drittel der Bevölkerung Argentiniens.

Eine echte Megacity. Glücklicherweise konzentrieren sich die touristisch interessanten Sehenswürdigkeiten im Zentrum, meist sogar in Laufnähe.

Eine gigantische Stadt hat natürlich auch gigantisch viel Verkehr. Der wird, wie durch einen Kanal, auf der Avenida 9 de Julio, der breitesten Straße der Welt, durch die Stadt geleitet. Wieviele Fahrstreifen die Straße tatsächlich hat, scheint ein Mysterium zu sein. In meinem Reiseführer steht acht pro Richtung, Wikipedia spricht von sieben und ich habe sechs gezählt. Der stolze Porteño, so nennen sich die Einwohner von Buenos Aires selbst, spricht vermutlich sogar von insgesamt 20 Fahrspuren und zählt die beiden parallel verlaufenden, nur durch einen Grünstreifen getrennten, Straßen Carlos Peligrini und Cerrito noch mit. Vielleicht kommt das Wirrwarr mit der Anzahl der Fahrstreifen auch daher, dass sich sowieso keiner so richtig an die eingezeichneten Spuren hält. Gefahren wird wo Platz ist. Tatsache ist aber, die etwa ein Kilometer lange Schneiße durch die Stadt ist etwa 140 Meter breit. Also egal wieviele Spuren die Avendia 9 de Julio nun hat, sie jedenfalls so breit, dass sie sich zu Fuß nicht mal eben schnell überqueren lässt.

Buenos Aires am Río de la Plata. Das klingt sehr elegant. Ist es auch. Gleichzeitig aber auch chaotisch und verwirrend. Vollkommen unüberschaubar ist das Busnetz. Die U-Bahn wiederum ist denkbar einfach. Es gibt nur sechs Linien.

Buenos Aires, gute Lüfte, gute Luft. Eigentlich stammt der Name aus der Zeit der Stadtgründung. Damals hieß sie Puerto de Nuestra Señora Santa María del Buen Ayre, Hafen unserer lieben Frau der Heiligen Maria des guten Windes. Aber „Aire“ heißt nunmal auch Luft, und eben diese ist nicht immer so gut in der Stadt! Es gibt schöne Grünflächen, zum Beispiel im eleganten Stadtteil Recoleta, aber im restlichen Stadtzentrum kaum. Kaum ein Ort an den man sich mal zurück ziehen und dem lauten Getummel auch nur für ein paar Minuten entfliehen könnte.

Man könnte sich hier sicher wochenlang gut beschäftigen, mir jedoch reichen drei Tage vollkommen aus!

In der Pampa bei den Gauchos

Endlich bin ich da. Ein lang gehegter Traum wird war: mit den Gauchos durch die Pampa reiten!

Mit dem Bus bin ich bis nach Lezama, bei Chascomus gekommen, hier holt mich Patricia, die Chefin der Estancia ab. Wir fahren noch einmal 40 Minuten über das unendlich weite Grasland bis zur Estancia. Kein Berg begrenzt die Sicht. Ein riesiger Himmel, durchzogen von dünnen Wolkenfäden, bildet mit der topfebenen Pampa eine schnurgerade Horizontlinie. Unterwegs auf der staubigen Straße treffen wir kaum auf andere Autos, ringsum nur Felder, Weiden und unendliche Weite. Vermutlich leben hier mehr Tiere als Menschen. Kein Lichtermeer einer Stadt überstrahlt den Sternenhimmel, keine Abgase, die die Sicht vernebeln. Der fast volle Mond leuchtet klar und silbern.

Dann fahren wir durch ein großes mit einem Bogen überspanntes Gatter, auf dem der Name der Estancia steht, El Venado. Die Estancia trägt den Namen des Flusses der sich durch ihr Land schlängelt. Aber das Haus ist immernoch nicht zu sehen. Einige Hundert Meter und ein paar Gatter später stehen wir dann vor dem Haus im spanischen Hacienda-Stil. Dahinter verbirgt sich ein großer idyllischer Garten mit Bäumen aus aller Herren Länder, den viele verschiedene Vögel, darunter auch grüne Wellensittiche, ihr zu Hause nennen.

Am nächsten Morgen werde ich von dem vielstimmigen Vogelkonzert geweckt. Ich habe selten so gut geschlafen. Nur das leise Fiepsen einer Fledermaus durchbricht hier draußen hin und wieder die nächtliche Stille.

Heute darf ich Juan, dem sonnengebräunten Gaucho und Herr über 250 Polo-Pferde, die Patricias Bruder hier züchtet, ein wenig helfen. Wir reiten raus auf eine der zahlreichen Weiden, um die Pferde dort zu kontrollieren. Sind alle unverletzt, keiner krank, die Zäune noch in Ordnung? Alles klar und es geht wieder zurück. Das war schon mal ganz nett und interessant, aber nur halb so spektakulär wie das, was danach kommt!

Mit aufrechter Haltung und breiten Schultern reitet der stolze Gaucho Hugo auf den Hof. Klar, mit so einem schicken Pferd, da wäre ich auch stolz! Seine Kühe müssen zum Zählen auf eine Weide zusammengetrieben werden und wir sollen ihm helfen. Das klingt doch nach echter Gaucho-Arbeit! Wir beginnen mit den kleineren, den frechen Halbstarken. Mit einer Mischung aus Angst und Neugier beäugen die kleinen Kühe erstmal die Pferde. Doch schließlich siegt die Furcht und sie treten die Flucht in die gewünschte Richtung an. Die Mutigeren jedoch hören den Ruf der Freiheit und wollen lieber eigene Wege gehen. Immer wieder müssen kurze Sprints mit dem Pferd hingelegt werden, um sie zum Rest zurück zu treiben. Manch kleines Rind ist aber auch richtig renitent und will partout nicht durch das nächste Gatter gehen. Wild geht es hin und her, mit lauten Rufen, Pfeifen und Schnalzen versuchen die Gauchos es durchs Gatter zu treiben. Aber fast schon flink wie ein Hase gelingt es der kleinen Kuh immer wieder den Gauchos zu entwischen und zwischen den einzigen Bäumen die weit und breit stehen zurück bis ganz ans andere Ende zu rennen. Juan findet das nicht so lustig, muss er doch jedes mal hinterher galoppieren! Es hilft alles nichts, das Lasso wird ausgepackt. Gekonnt fängt Hugo das kleine widerspenstige Rind ein und letztendlich hat es doch keine andere Möglichkeit mehr, als zu tun was von ihm verlangt wird.

Dann sind die großen erwachsenen Rinder dran. Die kennen das Prozedere schon. Hunderte große, stämmige schwarze Rinder setzen sich in Bewegung. Eine Staubwolke umhüllt die Herde, als die schweren Tiere über die trockene Pampa trotten. Zwei Stiere tragen noch schnell, ihre riesigen Schädel aneinander stossend, ihre Differenzen aus. Von denen halt ich mit meinem zierlichen Polo-Pferd lieber etwas Abstand!

Nach drei Stunden ist es geschafft, alle Kühe sind wohlbehalten da wo sie sein sollen. Und wir reiten etwas erschöpft zurück zur Estancia, in einen furiosen Sonnenuntergang in der argentinischen Pampa.

Wilde Fahrt durch die Puna

Ich bin in Salta und stelle fest, ich habe schon wieder zu wenig Zeit eingeplant! Voll verplant oder einfach doch zu wenig Urlaub?

Ok, Salta ist subtropisch schwül-warm und meine Haare sehen wegen der hohen Luftfeuchtigkeit wie explodiert aus, aber trotzdem, mir gefällt es hier.

Aber eben leider zu wenig Zeit. Um das Optimale raus zu holen buche ich also die größte Tour, die es gibt. Sie deckt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Umland ab und dauert 15 Stunden. Ein mörderisch langer Tag im Bus, denke ich. Am Morgen dann stellt sich heraus, wir sind nur zu dritt, deshalb fährt unser Guide mit seinem Auto vor. Irgendein Fiat, älteren Baujahrs.

Und los geht es entlang der brühmten Zugstrecke des Tren a las Nubes, dem Zug in die Wolken, der sich bis zum, auf 3775 m hoch gelegenen San Antonio de los Cobres hinauf windet.

Hoch ragen die Berge auf beiden Seiten aus, die Vegetation wird immer spärlicher und irgendwann stehen baumhohe Kakteen wie Wächter an den bunten Berghängen der Quebrada del Toro.

Die erste kurze Pause machen wir in Santa Rosa de Tastil, auf mittlerweile 3100 m. Oberhalb der Stadt befinden sich die Ruinen einer präinka Siedlung. Bevor die Inka kamen, lebten hier 2000 bis 2500 Menschen.

präinka SiedlungImmer höher führt uns die Straße, bis auf über 4000 m bevor es wieder ein paar Meter runter geht in die verschlafene Bergarbeiterstadt San Antonio de los Cobres.

Unser Guide hat sich mittlerweile ein paar Kokablätter in die Backe gestopft. Von mir aus, wenn das hier Tradition hat. Aber ich versteh ihn kaum noch, er spricht als ob er heiße Kartoffeln im Mund hätte. Und außerdem sieht es blöd aus, mit so einer ausgebeulten Backe!

San Antonio de los CobresNach der Mittagspause in San Antonio de los Cobres geht es weiter auf meiner geliebten Ruta 40. Nun ja, wir werden wohl keine Freunde mehr, die Ruta 40 und ich! Unser Fahrer hat sein Fenster offen, als ich merke, dass der Staub von der sandigen Schotterpiste schön an ihm vorbei zu mir nach hinten zieht, ist es schon zu spät. Ich sehe aus, als hätte ich mich im Sand gewälzt, meine Haare formen sich bereits zu Rastalocken. Ruta 40 fahren macht echt keinen Spaß!

Solangsam beschleicht mich ausserdem das Gefühl, dass der Konsum von Kokablättern sich irgendwie auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt. Unser Guide steuert seinen armen Fiat in hohem Tempo über die Schotterpiste. Es rumpelt und scheppert, Steine knallen gegen den Unterboden. Ob das dem Auto gefällt?

Nächster Stopp Salinas Grandes. Ein Salzsee, 525 km² groß. Und wir stehen mitten drauf. Mitten auf einer topfebenen strahlend weißen Fläche aus Salzkristallen. Nur der kleine weiße Fiat, drei Touristen und ihr Guide, sonst nichts. Stimmt nicht ganz, irgendwo da hinten sind ein paar Arbeiter, die das Salz abbauen.

Irgendwann hat auch die Fahrt auf der Ruta 40 ein Ende und wir biegen auf eine asphaltierte Straße ab. Ein Glück! Mühsam kriechen schwer beladenene Lastwagen vor uns die Passtraße hoch auf 4100 m, der höchste Punkt unserer Fahrt heute. Steil und in engen Serpentinen geht es nun wieder 2000 Höhenmeter nach unten. Funktionieren die Bremsen noch? Oh, ich will es hoffen! Unser Kokablätter kauender Chauffeur fährt doch ganz schön zügig. Keine Leitplanken, die uns nur ein wenig aufhalten könnten. Ich schau zu meinen beiden Compañeras rüber, ja, die schauen auch ein wenig verkrampft drein.

Quebrada del ToroEntspannen kann ich mich erst wieder als wir durch die fantastische Quebrada de Humahuaca fahren. Aber nicht etwa weil der Fahrstil weniger rasant wäre, sondern weil ich vollkommen hingerissen bin von den Farben und Formen des Cañons. Erosion hat die Felsen zu Wellen und anderen spektakulären Formationen geformt. Das findet wohl auch die UNESCO sehenswert und hat die Quebrada der Humahuaca zum Welterbe erklärt.

Und wann kommt der Fotostopp? Das Abendlicht wäre jetzt gerade perfekt! Wie schön sich die Felsformationen duch das Spiel von Licht und Schatten hervor heben! Ich weiß, wir halten noch einmal Purmamarca, beim Cerro de los Siete Colores, aber wann sind wir da? Los, gib Gas! Jetzt wäre es mir auch recht!

Ich könnte grad heulen! Wir sind in Purmamarca, ich seh genau, es gibt nur noch ein paar Minuten gutes Licht, dann verschwindet die Sonne hinter den Bergen und wir sind mitten im Ort. Überall Häuser und Stromleitungen. Keine Chance ein vernünftiges Foto der umliegenden bunten Berge zu machen!

Was sollen wir überhaupt hier? Unser Fahrer hat uns direkt am Marktplatz aussteigen lassen. An einem Touristenmarkt mit bunten Deckchen, Handtäschchen und Geldbeuteln, von denen der einfache Tourist glaubt, sie wären authentisch für die Andenregion. Offensichtlich sollen wir hier konsumieren. Gut, dann kauf ich wenigstens eine Postkarte von der Quebrada de Humahuaca, wenn ich schon kein Foto machen kann.

Das war dann auch der letzte Höhepunkt der Tour. Es ist ja auch bereits dunkel. Zwei Stunden dauert die Fahrt zurück nach Salta. Zwei lange Stunden! Unser Guide hat es jetzt besonders eilig, er fährt wie der Henker! Geschwindigkeitsbegrenzung? Egal! Überholverbot? Egal! Wie ein Rowdy fährt er, fährt dicht auf, gibt Lichthupe wenn sich vor ihm einer erdreistet sich an die Verkehrsregeln zu halten.

Wir haben es geschafft. Doch noch wohlbehalten sind wir zurück in Salta. Ich denke ich höre nicht recht, unser Fahrer bedankt sich bei Gott, dass wir wieder gesund zurück sind! Soll er doch besser vernünftig fahren, dann braucht er nicht auf himmlischen Beistand hoffen!

 

Puna – argentinische Hochwüste

Knutsch-Plazas in Mendoza und höchste Andengipfel

Für mich nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Salta, noch weiter im Norden, überrascht mich das mediterane Mendoza. Es ist die erste richtige argentinische Stadt auf meiner Reise.

Ich tue es den Argentiniern gleich und trinke in der Fußgängerzone erst einmal gemütlich einen Kaffee, dazu gibt es ein kleines Croissant, das hier Medialuna, Halbmond, heißt. Danach treibe ich mich auf einem der fünf Plätze im Stadtzentrum herum.

Wie die Fünf auf einem Würfel sind sie angeordnet. In der Mitte befindet sich der größte, der Plaza Independencia. Mit seinen Grünflächen und Springbrunnen ist der Platz mehr ein kleiner Park, der von den Mendocinos mit viel Leben erfüllt wird. Hier hält man entspannt eine kleine Siesta, sitzt einfach ein wenig rum und beobachtet das bunte Treiben oder trifft sich mit seinem Liebsten. Das scheint überhaupt die eigentliche Bestimmung aller Plazas in Argentinien zu sein. Sie fungieren als Bühne für verliebte Paare aller Altersklassen. Dies ist der Ort an dem der heißblütige Argentinier zeigt, in wen er gerade unsterblich verliebt ist. Komm, wir geh’n zum Knutschen auf die Plaza!

Am Abend dreht der Platz dann aber vollends auf. Musik, Clowns, Artisten, Marktstände und Eisverkäufer sorgen für Volksfeststimmung.

Bekannt ist Mendoza aber vor allem für seine guten Weine. Fast jeder argentinische Wein kommt aus dieser Gegend. Da ist der Besuch eines Weinguts fast schon Pflichtprogramm.

Mir steht leider viel zu wenig Zeit zur Verfügung, daher entscheide ich mich für eine Tour zum Aconcagua, mit 6962 m der höchste Berg der Anden. Ich finde, das muss man wirklich gesehen haben!

Bittersüßes Bariloche

Über die legendäre Ruta 40 erreiche ich nach zwei langen Tagen Busfahrt von El Chaltén endlich San Carlos de Bariloche.

Die legendäre Ruta 40. Sie führt entlang der Anden von Nord nach Süd durch ganz Argentinien. Teilweise asphaltiert, überwiegend jedoch Schotterpiste. Warum aber legendär? Das erschließt sich mir auch nach zwei Tagen im Bus nicht. Vielleicht legendär langweilig? Von El Chaltén bis Esquel ändert sich die Landschaft praktisch nicht. Immer die selbe karge, weitgehend topfebene, Einöde. Doch plötzlich fahren wir zwischen hoch aufragenden Bergen. Bäume säumen die Hänge. Dann endlich Bariloche. Malerisch liegt es am Nahuel Huapi See, umrundet von Bergen. Und es ist grün.

Mein Hostel, das Hostel Inn, liegt ein wenig am Berg, zwar mühsam zu erklimmen mit dem schweren Reisegepäck, der Panoramablick von der Terrasse über den See und die Stadt ist aber kaum zu überbieten.

Hier gibt es viel zu tun und zu erleben. Ich komme kaum noch mit, als mir die nette Frau vom Hostel alles erklärt. Mag aber auch an ihrem rasanten spanischen Redefluss gelegen haben.

Unbedingt probieren muss man hier die Schokolade. In der Schokoladen-Hauptstadt des Landes gibt es unzählige Geschäfte, große und kleine. Ich frage mich nur, wenn die Schokolade tatsächlich so toll ist, warum gibt es dann in jedem Supermarkt Toblerone?

Um die überflüssigen Kalorien wieder los zu werden, hat man dann die Qual der Wahl. Kajak fahren auf dem See. Je nach Wind und Wellengang vielleicht nicht unbedingt empfehlenswert. Rafting bis zur chilenischen Grenze, Reiten oder Wandern im Nationalpark Nahuel Huapi. Oder eine kleine Fahrradtour auf dem Circuito Chico, eine kleine Schleife entlang des Sees, mal bergauf, mal bergab. Lediglich 27 km, das kann jeder schaffen. Und Radeln, das ist sowieso mein Metier!

Gesagt, getan. Mit dem Bus geht es bis Kilometer 18,3, dort ist der Fahrradverleih „Circuito Chico Mountain Bike“. Zum Fahrrad mit Helm gibt es auch eine Karte dazu, damit wir auch wissen, wo es was zu sehen gibt, denn verfahren kann man sich nicht, es gibt nur die eine Straße. Der Mann vom Fahrradverleih erklärt uns noch was für ein wahnsinns Glück wir haben. Heute ist Markt in der Colonia Suiza, ein kleines Dorf, von Schweizern gegründet. Es soll angeblich wie ein Schweizer Bergdorf aussehen. Na, da sind wir ja mal gespannt! Die Colonia Suiza ist auch gleich der erste Stopp, also gehen wir mal auf Erkundungstour des unbekannten schweizer Überseedepartements. Auf dem Markt finden wir Schweizer Torte, die eigentlich wie eine Schwarzwälder Torte aussieht. Aber immerhin, einige der Häuser sehen tatsächlich ein klein wenig nach schweizer Bergdorf aus. Das Dorf ist winzig, so sind wir mit erkunden schnell fertig und schwingen uns wieder auf die Räder, weiter auf den Circuito Chico.

Noch sind wir guter Dinge, das Wetter war bisher ganz ordentlich, ein wenig windig, aber einigermaßen sonnig. Bei der ersten Kaffeepause aber, beginnen uns die Wolken vorsichtig in die Tassen zu spucken. Ist bestimmt nur ein kurzer Nieselregen! Kurz darauf befinden wir dann doch, dass es Zeit für die Regenjacke wird. Aber natürlich nur wegen dem kühlen Wind während der rasanten Abfahrt!

Nächster Halt Lago Escondido. Der versteckte See. Laut Beschreibung soll der idyllische kleine See zum Relaxen einladen. Heute jedenfalls nicht. Kalt. Nass. Windig. Wenigstens finden wir unter dem dichten Blätterdach ein einigermaßen trockenes Plätzchen für eine kurze Vesperpause.

Gestärkt und voll Motivation fahren wir weiter Richtung Bahia Llao Llao. Die verpassen wir aber. Jetzt regnet es richtig. Unsere Schönwetter-Räder besitzen keine Schutzbleche. Von allen Seiten kommt das Wasser. Jetzt macht es echt keinen Spaß mehr! Sollen wir vielleicht die Notfall-Rescue-Nummer anrufen und uns abholen lassen? Kostet nur 15 Pesos, das wäre es mir jetzt wert. Im kleinen Ferienort Llao Llao finden wir dann erst mal Unterschlupf in einem Café.

Ein wenig angetrocknet und aufgewärmt machen wir uns auf die letzten 7,5 km. Und was ist das? Die Sonne hat sich wieder zurück gekämpft! Jetzt geht alles wieder ganz leicht und nachdem uns noch die lustigen Badurria-Vögel mit dem krummen Schnabel über den Weg gelaufen sind, haben wir die Quälerei durch das schlechte Wetter schon wieder fast vergessen.

Zum krönenden Abschluss erhalten wir vom Fahrradverleih noch eine Gutschein für ein Freibier. Das heitert uns jetzt wieder richtig auf und wir finden letztendlich war es doch ein schöner Ausflug!

 

Hostel Inn Bariloche

Fahrradverleih „Circuito Chico Bikes“