Butterfahrt ecuadorianisch

Wenn einem in Ecuador nach Butterfahrt zumute ist, steigt man einfach in einen beliebigen Überlandbus ein und lässt sich überraschen welches überflüssige Produkt heute feil geboten wird.

Meist läuft das ab wie bei den einschlägigen TV-Werbe-Sendern. Der Verkäufer preist sein Produkt an ohne Luft zu holen. Selbstverständlich gibt es nur heute und in diesem Bus einen Rabatt und obendrauf nochmal einen Rabatt für die ersten 15 Käufer, also fast geschenkt.

Das können mal Glasschmucksteine inklusive Plastikbändchen sein, oder ein zweifelhaftes, aber selbstverständlich vollkommen natürliches medizinisches Produkt, begleitet von einem einstündigen Vortrag, welche Krankheiten dieses Wundermittel alle heilen kann. Wer könnte da schon nein sagen! Aufmerksam hören die Passagiere zu und es finden sich immer ein paar, die sich von der Sinnhaftigkeit des Produktes überzeugen lassen.

So funktioniert Entertainment in ecuadorianischen Bussen, denn ein DVD-Filmangebot gibt es leider nicht in allen Bussen. Oder zum Glück?

Advertisements

Ecuador kompliziert oder Kuriositäten aus Ecuador

Und auch das muss einmal gesagt werden: Ecuador ist manchmal ganz schön kompliziert!

Los geht es mit den Geldautomaten. Nur weil VisaPlus drauf steht, heißt das noch lange nicht, dass es auch geht! Gleiches gilt auch für andere Karten. Ausprobieren ist angesagt. Kleiner Tipp: Mit der Postsparkarte kriegt man bei Banco Pichincha kein Geld, bei Banco Guayaquil aber fast immer.

Weiter geht es mit dem Handy. SMS nach Deutschland schicken: unmöglich. Auch nicht mit einer einheimischen Prepaidkarte. Empfangen kann man SMSen aus Deutschland, nur antworten geht nicht.

Für den Hausgebrauch gibt es praktische 25 Liter Wasserflaschen. Die kosten 12 $ Pfand. Nur wo man leere Flaschen abgeben kann und das Pfand zurück kriegt, das weiß keiner. Die üblichen Stellen tauschen nur leer gegen voll. Wozu also Pfand?

In Quito gibt es ein tolles Bussystem, das ähnlich wie eine Tram funktioniert. Es gibt drei Linien, die in Nord-Süd-Richtung verkehren. Will man nun aber die Stadt in Ost-West-Richtung durchqueren, um beispielsweise von einer Linie zur anderen zu kommen, kann das ganz schön kompliziert werden. Und so kann ein Ausflug zu Mitad del Mundo (dem Äquator-Monument) schnell mal zu einer gefühlten Weltreise werden. Erkenntnis dabei: Am besten ein Taxi nehmen.

Auch auf abgemachte Uhrzeiten ist kein Verlass. Und das nicht nach hinten raus, wie man es üblicherweise bei Latinos erwarten würde. Nein, aus 8 Uhr wird ohne Vorwarnung 7.15 Uhr und aus 9.30 Uhr plötzlich 9 Uhr. Na, wer hätte das gedacht! Das Beste kommt aber noch. Man erhält dann auch noch Vorwürfe, dass man zu spät sei oder eben nicht auch schon 45 Minuten früher fertig wäre.

Verdrehte Welt!

Directo! Directo! – Der Weg ist das Ziel

Der Staub dringt durch die „Klimaanlage“ des Busses, der vor etwa 10 Jahren vielleicht mal in Deutschland im öffentlichen Nahverkehr unterwegs war. Und so oft hält er auch, öfter noch! Als Klimaanlage fungieren die weit geöffneten Fenster. Überall legt sich der Staub nieder, auch auf meiner Brille. Ich seh kaum noch was von der steppenartigen Landschaft, die an uns vorbei zieht. Aber ohne ist es auch nicht besser. Ich blinde Nuss!

Was war passiert? Der Tag begann noch gediegen in Montezuma mit leckeren Bananen Pancakes und einer Busfahrt nach Paquera. Brav chauffierte der Bus die Reisenden zum Fährhafen, weit außerhalb des Ortes. Dem Fährhafen von dem heute gar keine Fähre ablegt! Die Taxifahrer freuten sich in Aussicht auf ein super Geschäft mit den nun ratlos schauenden Touristen, denn die mussten zur anderen Fähre in Puerto Naranja transportiert werden. Alle Touristen sitzen also im selben Boot, bildlich gesprochen, denn das echte fährt ja nicht. Und so finden sich neue Reisegruppen zusammen. Meine neuen Reisegefährten kommen aus Norwegen. Björn der Musikproduzent, Olaf der Musikladenbesitzer und Havald, der nichts mit Musik zu tun hat, dessen Job kein Spaß macht, der aber Geld verdient, im Gegensatz zu den anderen beiden. Drei Fragezeichen in meinem Gesicht, aber genaueres will er mir nicht sagen. Lustig finden die drei allerdings, dass ich Chemielaborantin bin. Das ist doch bestimmt lustig wenn’s mal „Puff“ macht. Wenn die wüssten!

Und als der Taxifahrer hört, dass wir alle nach Liberia wollen, empfiehlt er uns die komplette Strecke mit dem Bus zu fahren. Das sei besser, meint er. Und so beginnt eine lange, staubige Fahrt in höchst unkomfortablen Bussen über die Nicoya-Halbinsel.

Wir zuckeln vorbei an Haciendas, lustigen Schlappohrkühen, Pferden ohne Mähne, dem Nationalbaum Guanacaste, durch Landschaft, die stellenweise mehr an Afrika erinnert.

Und jedem neu einsteigenden Fahrgast ruft der Busfahrer „Directo! Directo!“ entgegen. Was auch immer das in Costa Rica bedeutet, denn er hält trotzdem an jeder Ecke.

In Liberia endet die lustige Zweck-Reisegemeinschaft. Die Jungs fliegen am nächsten Tag wieder zurück ins kalte Norwegen. Und ich? Wiedereinmal heißt es geduldig sein und warten und warten. Erst nach einer Stunde kommt mein Abholservice. Mittlerweile ist es schon dunkel und der Weg zum Rincón de la Vieja Nationalpark führt eine Stunde lang über eine steinig staubige Straße, praktisch nur mit Jeep befahrbar.

Entschädigt werde ich für diesen anstrengenden Tag mit einem atemberaubenden Sternenhimmel und einer wunderschönen Sternschnuppe. Nun ist wieder alles gut! Der Weg ist eben das Ziel.