Quito – Pflichtprogramm

Es ist nun zwar schon ein paar Wochen her, aber den Beitrag zu Quito wollte ich euch nicht vorenthalten.

Die meisten Ecuador-Reisenden werden wohl in Quito ankommen. Bis Oktober noch mit spektakulärem Landeanflug über die Stadt. Dann wird aber endlich der neue Flughafen etwas außerhalb eröffnet. Und das ist auch gut so. Denn derzeit fliegen im Minutentakt die lauten Flugzeuge nur wenige Meter über die Häuserdächer, da der alte Flughafen praktisch mitten in der Stadt liegt. Arme Bewohner des nördlichen Quito.

Nur ob es nach der Eröffnung des neuen Flughafens wirklich soviel leiser wird, ist fraglich. Denn der verrückte Straßenverkehr bleibt. Die Straßen sind jeden Tag vollkommen verstopft. Täglich wird um die Wette gehupt. Die Busse sind da eine gute und günstige Alternative. Wären sie nur nicht immer so voll. Angst vor Nähe darf man wirklich nicht haben. Es lohnt sich manchmal einfach einen oder zwei Busse abzuwarten, der nächste ist möglicherweise nicht ganz so voll.

Quito hat eine außergewöhnliche Lage auf rund 2900 Meter in einem engen Hochtal. Die 1,4 Millionen Einwohner verteilen sich im 30 Kilometer langen und nur 2 bis 3 Kilometer breiten Stadtgebiet. Überragt wird die Stadt vom 4600 Meter hohen nicht aktiven Vulkan Rucu Pichincha. Mit einer Gondel, dem Teleférico, kann man den Berg auf 4000 Meter hoch fahren und eine sensationelle Aussicht auf die Stadt genießen.

Die Hauptattraktion in Quito ist jedoch die wunderschöne koloniale Altstadt, die 1978 als erste Stadt ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Klar, auch nicht fehlen darf ein Besuch des Äquator-Denkmals, Mitad del Mundo. Auch wenn es megatouristisch und nicht einmal der richtige Äquator ist, der echte liegt 200 Meter daneben, es ist einen Ausflug wert. Vor allem an Sonntagen. Mitad del Mundo ist am Wochenende auch bei den Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel. In dem Dorf, das rund um das Denkmal gebaut wurde, lässt es sich gemütlich einkehren, es spielen Livebands zu denen die Einheimischen tanzen. Und wenn man Glück hat, so wie ich, findet auch noch ein Tanzwettbewerb traditioneller Tänze statt.

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Galapagos für Arme – Isla de la Plata

Eine Reise zu den Galapagos-Inseln ist sicher ein einmaliges Erlebnis. Aber auch ein einmalig teures Vergnügen.

Zum Glück bietet Ecuador aber für jeden Geldbeutel etwas, also gibt es auch ein „Galapagos für Arme“. Die Isla de la Plata, eine Stunde Bootsfahrt von Puerto Lopez entfernt. Für 40 US$ beinhaltet eine Tour auch Schnorcheln am Korallenriff der Insel und während der Wal-Saison zwischen Juli und September auch Whalewatching.

Gesagt, getan, eine Bootsfahrt ist schließlich lustig! Oder auch nicht. Wieder einmal muss ich feststellen, ich bin und bleibe eben eine Landratte! Die einstündige Fahrt über die unruhige See wird zur Qual, je länger sie dauert. Die Fahrt scheint fast gar nicht mehr aufzuhören! Die Sichtung der Wale unterwegs tröstet mich kaum, denn das Boot schaukelt nun noch mehr als zuvor bei voller Fahrt.

Angekommen auf der Insel ist das Leid aber schnell wieder vergessen. Ein wahres Vogelparadies erwartet uns hier. Ganze Kolonien von Blaufußtölpeln und Prachtfregattvögeln sind derzeit zur Brut hier. Und was machen so viele Vögel? Ganz schön viel Mist, oder wie der Fachmann sagt: Guano. Daher hat die Insel ihren Namen. Schon von weitem sieht man die von Guano überzogenen Felsen silbern schimmern. Eine Silberinsel eben. Einige Abenteurer glaubten jedoch der anderen Theorie der Namensherkunft. Es heißt der Pirat Francis Drake habe einen Schatz hier versteckt. Gefunden hat ihn bisher jedoch niemand.

Neben den Vögeln und dem nicht auffindbaren Schatz sind auch Echsen, baumartige Kandelaberkakteen und tropischer Trockenwald Teil der Insel, die man auf verschiedenen Wanderwegen erkunden kann.

Zum geschützten Bereich der Insel gehört auch ein Teil des Meeres. An einigen Stellen der Küste kann man schnorchelnd die Korallenriffe und die bunte Fischwelt erkunden. Natürlich nur heute nicht. Am Morgen gab es ein Gewitter, das Wasser ist zu aufgewühlt und trübe, dass man etwas sehen könnte.

Dann ist der Ausflug auch schon wieder vorbei und es geht auf die Rückfahrt. Ohje, die Rückfahrt mit dem Boot! Das hatte ich ja total verdrängt. Jetzt am späten Nachmittag ist das Meer noch unruhiger. Diesmal machen alle auf dem Boot ein ziemlich leidendes Gesicht. Sogar der Guide. Immer einen Punkt am Horizont fixieren und nicht so viel darüber nachdenken. Aber was sonst? Der Motorenlärm ist zu laut, um sich mit den anderen zu unterhalten. Und so scheint auch diese Fahrt unendlich lang.

Cuenca – kühle Schönheit

 

Wer sich für Kirchen interessiert ist in Cuenca perfekt aufgehoben. Für alle anderen ist die Stadt nur bedingt spektakulär. Nicht dass die Stadt keinen Besuch wert wäre, nur mir reichten zwei Tage vollkommen aus.

Die Altstadt ist wirklich hübsch, besser als Quito, wie ich finde. Zudem ist Cuenca die Hauptstadt der Panamahüte. Die Rohlinge werden von Frauen in den umliegenden Dörfern geflochten und in der Stadt in zahlreichen Manufakturen fertiggestellt. (siehe: „Der Panamhut – oder besser gesagt: Der Ecuadorhut“). Die Auswahl an Formen, Farben und Mustern ist unglaublich. Und wer trotzdem nicht den passenden Hut findet, sucht sich einen Rohling aus, aus dem dann der persönliche Panamahut nach Wunsch und Maß gefertigt wird. Einen Hut in Standard-Qualität gibt es ab 25 US$, in Fino-Qualität kostet ein Hut bereits um die 50 US$.

Nahe der Stadt liegt der Cajas-Nationalpark, der sehr schön sein soll, aber nur wenn es nicht regnet, wie mir ein Einheimischer versichert. Gut, dann lass ich das mal, denn es regnet die letzten Tage häufig. Überhaupt, von Regen hab ich mittlerweile genug. Es scheint fast als werde ich vom Regen verfolgt! Seit Baños fast immer Regen! Und das während der Trockenzeit! Und dazu ist es in Cuenca ziemlich kalt. So kalt, dass selbst die lokale Presse meldet, dass es für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalt ist.

Also genug gefroren, ab geht es an die Küste!

 

Butterfahrt ecuadorianisch

Wenn einem in Ecuador nach Butterfahrt zumute ist, steigt man einfach in einen beliebigen Überlandbus ein und lässt sich überraschen welches überflüssige Produkt heute feil geboten wird.

Meist läuft das ab wie bei den einschlägigen TV-Werbe-Sendern. Der Verkäufer preist sein Produkt an ohne Luft zu holen. Selbstverständlich gibt es nur heute und in diesem Bus einen Rabatt und obendrauf nochmal einen Rabatt für die ersten 15 Käufer, also fast geschenkt.

Das können mal Glasschmucksteine inklusive Plastikbändchen sein, oder ein zweifelhaftes, aber selbstverständlich vollkommen natürliches medizinisches Produkt, begleitet von einem einstündigen Vortrag, welche Krankheiten dieses Wundermittel alle heilen kann. Wer könnte da schon nein sagen! Aufmerksam hören die Passagiere zu und es finden sich immer ein paar, die sich von der Sinnhaftigkeit des Produktes überzeugen lassen.

So funktioniert Entertainment in ecuadorianischen Bussen, denn ein DVD-Filmangebot gibt es leider nicht in allen Bussen. Oder zum Glück?

Geheimnisvoller Cotopaxi

Der Vulkan Cotopaxi hat es mir nicht leicht gemacht. Er ist mit 5897 Meter zwar nicht der höchste Vulkan Ecuadors, mit seiner fast perfekten konischen Form und seiner weißen Kappe aber das Wahrzeichen Ecuadors schlechthin. Und obendrein ist er für jedermann relativ leicht zugänglich. Von einem Parkplatz auf 4500 Meter läuft man 300 Höhenmeter einen steilen Weg über feinen Vulkanschotter zum Refugio José Rivas.

Soweit so gut. Tagesausflüge zum Cotopaxi kann man von Quito oder Latacunga aus organisieren. Nun, zumindest in der Theorie. Bei meinem ersten Versuch kam ich sonntags in Quito an und wollte gleich am Montag zum Cotopaxi. Ein vollkommen unmögliches Unterfangen, denn das ansonsten so laute Quito wird sonntags zur Geisterstadt. Alles hat geschlossen. Gut, dann halt am Dienstag. Aber auch das sollte nicht sein, denn am Montag hat mich ein Fieber dahingerafft.

Nächster Versuch eine Woche später von Latacunga aus. Aber auch hier stand es Spitz auf Knopf. Denn eine Tour zu finden war gar nicht so einfach. Die Ausflüge werden normalerweise erst ab zwei Personen durchgeführt, ich war diesmal alleine und scheinbar auch der einzige Tourist in Latacunga, der zum Cotopaxi wollte! Schlussendlich hat sich doch einer erbarmt und für mich alleine die Tour gemacht, mir dafür aber auch 10 US$ mehr abgeknöpft.

Wenigstens sieht das Wetter an diesem Morgen etwas besser aus als einen Tag zuvor. Zwar noch bewölkt, aber hier und da schaut schon der blaue Himmel durch.

Erste Teepause ist am Museum im Nationalpark, das derzeit jedoch wegen Renovierung geschlossen ist. Dafür gibt es auf mittlerweile 3600 Meter Höhe einen leckeren Coca-Tee.

Dann geht es auch schon hoch hinauf zum Parkplatz. Der Guide schmeißt mich dort bei heftigem Wind und Graupelschauer raus. Der Graupel lässt zwar nach einer Weile nach, der Wind jedoch nicht! So richtig Spaß macht das gerade nicht! Ein wenig komme ich mir vor wie Reinhold Messner, der den Mount Everest besteigt. Nach einer dreiviertel Stunde ist es dann geschafft, ich bin am Refugio José Rivas auf 4810 Meter angelangt. Neuer persönlicher Höhenrekord! Drinnen erwartet mich ein heißer Tee bevor es wieder an den Abstieg geht. Als ich wieder aus der Hütte komme, schneit es heftig und der Gipfel, gut 1000 Meter über mir ist immer noch in dichte Wolken gehüllt.

Nun ja, vielleicht lichten sich die Wolken ja noch, denke ich mir auf der Fahrt zur Lagune. Aber auch während dem etwa einstündigen Spaziergang rund um die Lagune will sich der Cotopaxi nicht voll und ganz zeigen. Macht aber nichts, denn der Weg um die Lagune ist mit vielen bunten Blümchen gesäumt und in der Lagune tummeln sich eine Schar Vögel. Also was soll’s, es war trotzdem ein schöner Tag und ich war immerhin auf dem Cotopaxi. Dann kauf ich mir eben eine schöne Postkarte, wenn es mit einem eigenen Foto von dem schönen Vulkan nichts wird.

Baños – wie der Name schon sagt: ziemlich nass

Schon wieder ein Schönwetter-Fahrrad! (siehe Argentinien: Bittersüßes Bariloche) Und das in Baños, wo es doch relativ häufig regnet.

Gestern hat es mich schon bei der Wanderung an den Flanken des Vulkans Tungurahua vollkommen eingenässt und heute bei der Fahrradtour schon wieder!

Der Stadtplan von der Touri-Info klärt mich darüber auf, dass von Juni bis September Regenzeit in der Region herrscht. Dann wäre zumindest der viele Regen erklärt. Aber wieso sparen alle Fahrradverleiher an den Schutzblechen? Finden die den Gedanken lustig, dass die Gringos nasse Popos kriegen?

Bei schönem Wetter macht die Fahrradtour entlang der Ruta de las Cascadas, der Straße der Wasserfälle, bestimmt mehr Spaß. Der Weg führt entlang der Straße von Baños nach Puyo fast nur bergab. Die häufigen Tunnel können umfahren werden. Und das sind meist die schönsten Abschnitte der Strecke. Die Umfahrungen sind kleine alte Straßen, eingeklemmt zwischen Berg und Schlucht und führen oft durch kleine Dörfchen.

Von der Straße aus kann man dann die ersten Wasserfälle bestaunen, die tief in die Schlucht stürzen. An einigen Stellen gibt es einfache Korb-Seilbahnen, mit denen man über das Tal hinweg zum Wasserfall fahren kann. Zu zwei weiteren Wasserfällen muss man tief in die Schlucht absteigen, um ganz nah ran zu kommen. Der bekannteste ist wohl der Pailón del Diablo, der auch viele einheimische Sonntagsausflügler lockt.

Wassermassen stürzen zwischen den engen Felsen herab und wirbeln einen feinen Wassernebel auf. Da bleibt keiner wirklich trocken! Mir scheint sogar, als würden die Einheimischen einen Wettbewerb daraus machen, wessen Kleidung und Haare am nassesten sind. Das würde ich ja noch verstehen, wenn eine Bullenhitze herrschen würde, aber es sind gerade mal um die 20°C.

Wenn auch die Talfahrt mit dem Rad nicht wirklich anstrengend war, die Auf- und Abstiege zu den Wasserfällen reichen dann doch aus um wirklich ins Schwitzen zu kommen.

Zurück geht es dann bequem mit dem Bus oder einem Kleinlaster, der einfach Räder und Passagiere hinten auflädt.

Ecuador kompliziert oder Kuriositäten aus Ecuador

Und auch das muss einmal gesagt werden: Ecuador ist manchmal ganz schön kompliziert!

Los geht es mit den Geldautomaten. Nur weil VisaPlus drauf steht, heißt das noch lange nicht, dass es auch geht! Gleiches gilt auch für andere Karten. Ausprobieren ist angesagt. Kleiner Tipp: Mit der Postsparkarte kriegt man bei Banco Pichincha kein Geld, bei Banco Guayaquil aber fast immer.

Weiter geht es mit dem Handy. SMS nach Deutschland schicken: unmöglich. Auch nicht mit einer einheimischen Prepaidkarte. Empfangen kann man SMSen aus Deutschland, nur antworten geht nicht.

Für den Hausgebrauch gibt es praktische 25 Liter Wasserflaschen. Die kosten 12 $ Pfand. Nur wo man leere Flaschen abgeben kann und das Pfand zurück kriegt, das weiß keiner. Die üblichen Stellen tauschen nur leer gegen voll. Wozu also Pfand?

In Quito gibt es ein tolles Bussystem, das ähnlich wie eine Tram funktioniert. Es gibt drei Linien, die in Nord-Süd-Richtung verkehren. Will man nun aber die Stadt in Ost-West-Richtung durchqueren, um beispielsweise von einer Linie zur anderen zu kommen, kann das ganz schön kompliziert werden. Und so kann ein Ausflug zu Mitad del Mundo (dem Äquator-Monument) schnell mal zu einer gefühlten Weltreise werden. Erkenntnis dabei: Am besten ein Taxi nehmen.

Auch auf abgemachte Uhrzeiten ist kein Verlass. Und das nicht nach hinten raus, wie man es üblicherweise bei Latinos erwarten würde. Nein, aus 8 Uhr wird ohne Vorwarnung 7.15 Uhr und aus 9.30 Uhr plötzlich 9 Uhr. Na, wer hätte das gedacht! Das Beste kommt aber noch. Man erhält dann auch noch Vorwürfe, dass man zu spät sei oder eben nicht auch schon 45 Minuten früher fertig wäre.

Verdrehte Welt!