Blaues Eis und bunte Blätter – Herbst im argentinischen Südpatagonien

Wieder einmal Glück gehabt! Ich sitze bereits im Bus raus aus El Chaltén, ein Blick zurück und es tut sich ein wunderschönes Panorama auf. Zum Abschied zeigen sie sich, der Cerro Torre, der Poincenot und der großartige Fitz Roy. Hatten sie sich die vergangenen Tage doch immer schüchtern in ihr Wolkenkleid gehüllt. Das ist ein gelungener Abschluss für meinen Aufenthalt im Parque Nacional Los Glaciares im südlichen Patagonien.

Zahllose Gletscher winden sich hier die Berge hinunter, Ausläufer des Südpatagonischen Eisfeldes. Der wohl bekannteste ist der Perito Moreno im Südteil des Nationalparks in der Nähe von El Calafate. Er ist zwar nicht der größte, steht man jedoch vor der 60 Meter hohen Wand aus blauem Eis, die in den Lago Argentino ragt, ist das kaum von Bedeutung.

Zwei Meter schiebt sich der Gletscher täglich talwärts, und das kann man hören und sehen. Es knackt und kracht, mit einem lauten Knall stürzen große Eisbrocken ins Wasser. Leicht zu beobachten ist dieses Spektakel aber nicht, denn in dem Moment, in dem man den Knall hört, ist alles schon vorbei. Also immer gut aufpassen!

Von El Calafate sind es drei Stunden Busfahrt nach El Chaltén durch dieses ganz andere Patagonien, als ich es von Chile her kenne. Dieser Teil Patagoniens liegt im Regenschatten der Anden, ist daher sehr trocken. Nur wenige Kilometer von den grünen Bergen entfernt, verwandelt sich die flache, maximal hügelige Landschaft fast schon in eine Wüste. Auf dem steinigen Boden wachsen nur kleine bodennahe Büsche.

In El Chaltén angekommen, werde ich erst einmal von einem heftigen Wind begrüßt, der einem glatt umhauen könnte. In allerlei Schräglagen, mal einen Ausfallschritt nach rechts, mal nach links machend, bewegen sich die Menschen mühsam gegen den Wind ankämpfend vorwärts. Daran muss man sich in der nationalen Trekkinghauptstadt gewöhnen. Glücklicherweise weht er nicht immer in dieser Stärke.

Zahlreiche Wanderwege führen zu den Gletschern und den über 3000 Meter aufragenden Bergen. Informationen dazu und über das Verhalten im Nationalpark erhält man im Büro der Nationalparkverwaltung.

Die meisten Touren sind Tageswanderungen. Die ganz hart gesottenen können aber auch mit Sack und Pack zu einer mehrtägigen Wanderung losziehen und auf den kostenlosen Campingplätzen ihr Zelt aufschlagen.

Eine der schönsten und beliebtesten Routen führt zur Laguna Torre. In drei Stunden geht man durch ein weites vom Wind abgeschirmtes Tal, durch Südbuchenwälder, die im Herbst in bunten Farben schillern. Hier ist man weit weg von jeglicher Zivilisation. Es ist kein Mucks zu hören, nur hin und wieder durchbricht ein Vögelchen die Stille. Nur wenige Höhenmeter legt man zurück, aber je näher man den Bergen kommt, desto kälter wird es. Von weitem ist auch schon das gewaltige Eisfeld des Glaciar Grande zu erkennen.

Hat man dann die riesige Endmoräne aus Sand und Kies überwunden, steht man am Ufer der Laguna Torre, dem Gletschersee des Glaciar Grande. An klaren Tagen hat man von hier aus einen tollen Blick auf den Cerro Torre. Doch dieses Glück blieb mir leider verwehrt. Trotzdem, es war ein wunderschöner Tag in den patagonischen Bergen, die zwar ähnlich, aber doch so ganz anders als unsere vertrauten Alpen sind.

Parque Nacional Los Glaciares – informative Seite, leider nur in Spanisch

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