Baños – wie der Name schon sagt: ziemlich nass

Schon wieder ein Schönwetter-Fahrrad! (siehe Argentinien: Bittersüßes Bariloche) Und das in Baños, wo es doch relativ häufig regnet.

Gestern hat es mich schon bei der Wanderung an den Flanken des Vulkans Tungurahua vollkommen eingenässt und heute bei der Fahrradtour schon wieder!

Der Stadtplan von der Touri-Info klärt mich darüber auf, dass von Juni bis September Regenzeit in der Region herrscht. Dann wäre zumindest der viele Regen erklärt. Aber wieso sparen alle Fahrradverleiher an den Schutzblechen? Finden die den Gedanken lustig, dass die Gringos nasse Popos kriegen?

Bei schönem Wetter macht die Fahrradtour entlang der Ruta de las Cascadas, der Straße der Wasserfälle, bestimmt mehr Spaß. Der Weg führt entlang der Straße von Baños nach Puyo fast nur bergab. Die häufigen Tunnel können umfahren werden. Und das sind meist die schönsten Abschnitte der Strecke. Die Umfahrungen sind kleine alte Straßen, eingeklemmt zwischen Berg und Schlucht und führen oft durch kleine Dörfchen.

Von der Straße aus kann man dann die ersten Wasserfälle bestaunen, die tief in die Schlucht stürzen. An einigen Stellen gibt es einfache Korb-Seilbahnen, mit denen man über das Tal hinweg zum Wasserfall fahren kann. Zu zwei weiteren Wasserfällen muss man tief in die Schlucht absteigen, um ganz nah ran zu kommen. Der bekannteste ist wohl der Pailón del Diablo, der auch viele einheimische Sonntagsausflügler lockt.

Wassermassen stürzen zwischen den engen Felsen herab und wirbeln einen feinen Wassernebel auf. Da bleibt keiner wirklich trocken! Mir scheint sogar, als würden die Einheimischen einen Wettbewerb daraus machen, wessen Kleidung und Haare am nassesten sind. Das würde ich ja noch verstehen, wenn eine Bullenhitze herrschen würde, aber es sind gerade mal um die 20°C.

Wenn auch die Talfahrt mit dem Rad nicht wirklich anstrengend war, die Auf- und Abstiege zu den Wasserfällen reichen dann doch aus um wirklich ins Schwitzen zu kommen.

Zurück geht es dann bequem mit dem Bus oder einem Kleinlaster, der einfach Räder und Passagiere hinten auflädt.

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Bittersüßes Bariloche

Über die legendäre Ruta 40 erreiche ich nach zwei langen Tagen Busfahrt von El Chaltén endlich San Carlos de Bariloche.

Die legendäre Ruta 40. Sie führt entlang der Anden von Nord nach Süd durch ganz Argentinien. Teilweise asphaltiert, überwiegend jedoch Schotterpiste. Warum aber legendär? Das erschließt sich mir auch nach zwei Tagen im Bus nicht. Vielleicht legendär langweilig? Von El Chaltén bis Esquel ändert sich die Landschaft praktisch nicht. Immer die selbe karge, weitgehend topfebene, Einöde. Doch plötzlich fahren wir zwischen hoch aufragenden Bergen. Bäume säumen die Hänge. Dann endlich Bariloche. Malerisch liegt es am Nahuel Huapi See, umrundet von Bergen. Und es ist grün.

Mein Hostel, das Hostel Inn, liegt ein wenig am Berg, zwar mühsam zu erklimmen mit dem schweren Reisegepäck, der Panoramablick von der Terrasse über den See und die Stadt ist aber kaum zu überbieten.

Hier gibt es viel zu tun und zu erleben. Ich komme kaum noch mit, als mir die nette Frau vom Hostel alles erklärt. Mag aber auch an ihrem rasanten spanischen Redefluss gelegen haben.

Unbedingt probieren muss man hier die Schokolade. In der Schokoladen-Hauptstadt des Landes gibt es unzählige Geschäfte, große und kleine. Ich frage mich nur, wenn die Schokolade tatsächlich so toll ist, warum gibt es dann in jedem Supermarkt Toblerone?

Um die überflüssigen Kalorien wieder los zu werden, hat man dann die Qual der Wahl. Kajak fahren auf dem See. Je nach Wind und Wellengang vielleicht nicht unbedingt empfehlenswert. Rafting bis zur chilenischen Grenze, Reiten oder Wandern im Nationalpark Nahuel Huapi. Oder eine kleine Fahrradtour auf dem Circuito Chico, eine kleine Schleife entlang des Sees, mal bergauf, mal bergab. Lediglich 27 km, das kann jeder schaffen. Und Radeln, das ist sowieso mein Metier!

Gesagt, getan. Mit dem Bus geht es bis Kilometer 18,3, dort ist der Fahrradverleih „Circuito Chico Mountain Bike“. Zum Fahrrad mit Helm gibt es auch eine Karte dazu, damit wir auch wissen, wo es was zu sehen gibt, denn verfahren kann man sich nicht, es gibt nur die eine Straße. Der Mann vom Fahrradverleih erklärt uns noch was für ein wahnsinns Glück wir haben. Heute ist Markt in der Colonia Suiza, ein kleines Dorf, von Schweizern gegründet. Es soll angeblich wie ein Schweizer Bergdorf aussehen. Na, da sind wir ja mal gespannt! Die Colonia Suiza ist auch gleich der erste Stopp, also gehen wir mal auf Erkundungstour des unbekannten schweizer Überseedepartements. Auf dem Markt finden wir Schweizer Torte, die eigentlich wie eine Schwarzwälder Torte aussieht. Aber immerhin, einige der Häuser sehen tatsächlich ein klein wenig nach schweizer Bergdorf aus. Das Dorf ist winzig, so sind wir mit erkunden schnell fertig und schwingen uns wieder auf die Räder, weiter auf den Circuito Chico.

Noch sind wir guter Dinge, das Wetter war bisher ganz ordentlich, ein wenig windig, aber einigermaßen sonnig. Bei der ersten Kaffeepause aber, beginnen uns die Wolken vorsichtig in die Tassen zu spucken. Ist bestimmt nur ein kurzer Nieselregen! Kurz darauf befinden wir dann doch, dass es Zeit für die Regenjacke wird. Aber natürlich nur wegen dem kühlen Wind während der rasanten Abfahrt!

Nächster Halt Lago Escondido. Der versteckte See. Laut Beschreibung soll der idyllische kleine See zum Relaxen einladen. Heute jedenfalls nicht. Kalt. Nass. Windig. Wenigstens finden wir unter dem dichten Blätterdach ein einigermaßen trockenes Plätzchen für eine kurze Vesperpause.

Gestärkt und voll Motivation fahren wir weiter Richtung Bahia Llao Llao. Die verpassen wir aber. Jetzt regnet es richtig. Unsere Schönwetter-Räder besitzen keine Schutzbleche. Von allen Seiten kommt das Wasser. Jetzt macht es echt keinen Spaß mehr! Sollen wir vielleicht die Notfall-Rescue-Nummer anrufen und uns abholen lassen? Kostet nur 15 Pesos, das wäre es mir jetzt wert. Im kleinen Ferienort Llao Llao finden wir dann erst mal Unterschlupf in einem Café.

Ein wenig angetrocknet und aufgewärmt machen wir uns auf die letzten 7,5 km. Und was ist das? Die Sonne hat sich wieder zurück gekämpft! Jetzt geht alles wieder ganz leicht und nachdem uns noch die lustigen Badurria-Vögel mit dem krummen Schnabel über den Weg gelaufen sind, haben wir die Quälerei durch das schlechte Wetter schon wieder fast vergessen.

Zum krönenden Abschluss erhalten wir vom Fahrradverleih noch eine Gutschein für ein Freibier. Das heitert uns jetzt wieder richtig auf und wir finden letztendlich war es doch ein schöner Ausflug!

 

Hostel Inn Bariloche

Fahrradverleih „Circuito Chico Bikes“