Directo! Directo! – Der Weg ist das Ziel

Der Staub dringt durch die „Klimaanlage“ des Busses, der vor etwa 10 Jahren vielleicht mal in Deutschland im öffentlichen Nahverkehr unterwegs war. Und so oft hält er auch, öfter noch! Als Klimaanlage fungieren die weit geöffneten Fenster. Überall legt sich der Staub nieder, auch auf meiner Brille. Ich seh kaum noch was von der steppenartigen Landschaft, die an uns vorbei zieht. Aber ohne ist es auch nicht besser. Ich blinde Nuss!

Was war passiert? Der Tag begann noch gediegen in Montezuma mit leckeren Bananen Pancakes und einer Busfahrt nach Paquera. Brav chauffierte der Bus die Reisenden zum Fährhafen, weit außerhalb des Ortes. Dem Fährhafen von dem heute gar keine Fähre ablegt! Die Taxifahrer freuten sich in Aussicht auf ein super Geschäft mit den nun ratlos schauenden Touristen, denn die mussten zur anderen Fähre in Puerto Naranja transportiert werden. Alle Touristen sitzen also im selben Boot, bildlich gesprochen, denn das echte fährt ja nicht. Und so finden sich neue Reisegruppen zusammen. Meine neuen Reisegefährten kommen aus Norwegen. Björn der Musikproduzent, Olaf der Musikladenbesitzer und Havald, der nichts mit Musik zu tun hat, dessen Job kein Spaß macht, der aber Geld verdient, im Gegensatz zu den anderen beiden. Drei Fragezeichen in meinem Gesicht, aber genaueres will er mir nicht sagen. Lustig finden die drei allerdings, dass ich Chemielaborantin bin. Das ist doch bestimmt lustig wenn’s mal „Puff“ macht. Wenn die wüssten!

Und als der Taxifahrer hört, dass wir alle nach Liberia wollen, empfiehlt er uns die komplette Strecke mit dem Bus zu fahren. Das sei besser, meint er. Und so beginnt eine lange, staubige Fahrt in höchst unkomfortablen Bussen über die Nicoya-Halbinsel.

Wir zuckeln vorbei an Haciendas, lustigen Schlappohrkühen, Pferden ohne Mähne, dem Nationalbaum Guanacaste, durch Landschaft, die stellenweise mehr an Afrika erinnert.

Und jedem neu einsteigenden Fahrgast ruft der Busfahrer „Directo! Directo!“ entgegen. Was auch immer das in Costa Rica bedeutet, denn er hält trotzdem an jeder Ecke.

In Liberia endet die lustige Zweck-Reisegemeinschaft. Die Jungs fliegen am nächsten Tag wieder zurück ins kalte Norwegen. Und ich? Wiedereinmal heißt es geduldig sein und warten und warten. Erst nach einer Stunde kommt mein Abholservice. Mittlerweile ist es schon dunkel und der Weg zum Rincón de la Vieja Nationalpark führt eine Stunde lang über eine steinig staubige Straße, praktisch nur mit Jeep befahrbar.

Entschädigt werde ich für diesen anstrengenden Tag mit einem atemberaubenden Sternenhimmel und einer wunderschönen Sternschnuppe. Nun ist wieder alles gut! Der Weg ist eben das Ziel.

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