Naturschauspiel Perito Moreno Gletscher – der große Abbruch 2012

In regelmäßigen Abständen blockiert der bekannte Perito Moreno Gletscher in argentinischen Patagonien einen Nebenarm des Lago Argentinos.

Der Perito Moreno Gletscher ist Teil des Campo de Hielo Sur, ein riesiges kontinentales Gletschergebiet in Patagonien. Trotz Klimaerwärmung befindet sich der Gletscher noch in einem fragilen Gleichgewicht und schiebt sich jeden Tag etwa einen Meter ins Tal. Daher trifft er alle paar Jahre auf das gegenüberliegende Ufer und blockiert damit den Brazo Rico, einen Nebenarm des Lago Argentinos. Der Wasserspiegel steigt dadurch an und irgendwann kann die Eismasse dem Druck nicht mehr standhalten und bricht unter großem Getöse in sich zusammen.

Das Spektakel lockt jedes Mal tausende Touristen an, nur dieses Mal hat der Gletscher keine Rücksicht auf die Touristen genommen und brach fast unbemerkt in der Nacht zum 4. März 2012 zusammen.

Bilder vom 2. März 2012:

Und so sah der letzte Abbruch 2008 aus:

Blaues Eis und bunte Blätter – Herbst im argentinischen Südpatagonien

Wieder einmal Glück gehabt! Ich sitze bereits im Bus raus aus El Chaltén, ein Blick zurück und es tut sich ein wunderschönes Panorama auf. Zum Abschied zeigen sie sich, der Cerro Torre, der Poincenot und der großartige Fitz Roy. Hatten sie sich die vergangenen Tage doch immer schüchtern in ihr Wolkenkleid gehüllt. Das ist ein gelungener Abschluss für meinen Aufenthalt im Parque Nacional Los Glaciares im südlichen Patagonien.

Zahllose Gletscher winden sich hier die Berge hinunter, Ausläufer des Südpatagonischen Eisfeldes. Der wohl bekannteste ist der Perito Moreno im Südteil des Nationalparks in der Nähe von El Calafate. Er ist zwar nicht der größte, steht man jedoch vor der 60 Meter hohen Wand aus blauem Eis, die in den Lago Argentino ragt, ist das kaum von Bedeutung.

Zwei Meter schiebt sich der Gletscher täglich talwärts, und das kann man hören und sehen. Es knackt und kracht, mit einem lauten Knall stürzen große Eisbrocken ins Wasser. Leicht zu beobachten ist dieses Spektakel aber nicht, denn in dem Moment, in dem man den Knall hört, ist alles schon vorbei. Also immer gut aufpassen!

Von El Calafate sind es drei Stunden Busfahrt nach El Chaltén durch dieses ganz andere Patagonien, als ich es von Chile her kenne. Dieser Teil Patagoniens liegt im Regenschatten der Anden, ist daher sehr trocken. Nur wenige Kilometer von den grünen Bergen entfernt, verwandelt sich die flache, maximal hügelige Landschaft fast schon in eine Wüste. Auf dem steinigen Boden wachsen nur kleine bodennahe Büsche.

In El Chaltén angekommen, werde ich erst einmal von einem heftigen Wind begrüßt, der einem glatt umhauen könnte. In allerlei Schräglagen, mal einen Ausfallschritt nach rechts, mal nach links machend, bewegen sich die Menschen mühsam gegen den Wind ankämpfend vorwärts. Daran muss man sich in der nationalen Trekkinghauptstadt gewöhnen. Glücklicherweise weht er nicht immer in dieser Stärke.

Zahlreiche Wanderwege führen zu den Gletschern und den über 3000 Meter aufragenden Bergen. Informationen dazu und über das Verhalten im Nationalpark erhält man im Büro der Nationalparkverwaltung.

Die meisten Touren sind Tageswanderungen. Die ganz hart gesottenen können aber auch mit Sack und Pack zu einer mehrtägigen Wanderung losziehen und auf den kostenlosen Campingplätzen ihr Zelt aufschlagen.

Eine der schönsten und beliebtesten Routen führt zur Laguna Torre. In drei Stunden geht man durch ein weites vom Wind abgeschirmtes Tal, durch Südbuchenwälder, die im Herbst in bunten Farben schillern. Hier ist man weit weg von jeglicher Zivilisation. Es ist kein Mucks zu hören, nur hin und wieder durchbricht ein Vögelchen die Stille. Nur wenige Höhenmeter legt man zurück, aber je näher man den Bergen kommt, desto kälter wird es. Von weitem ist auch schon das gewaltige Eisfeld des Glaciar Grande zu erkennen.

Hat man dann die riesige Endmoräne aus Sand und Kies überwunden, steht man am Ufer der Laguna Torre, dem Gletschersee des Glaciar Grande. An klaren Tagen hat man von hier aus einen tollen Blick auf den Cerro Torre. Doch dieses Glück blieb mir leider verwehrt. Trotzdem, es war ein wunderschöner Tag in den patagonischen Bergen, die zwar ähnlich, aber doch so ganz anders als unsere vertrauten Alpen sind.

Parque Nacional Los Glaciares – informative Seite, leider nur in Spanisch

Chile Teil 1 – Patagonien

Lange schon wollte ich nach Chile reisen. Ich war neugierig auf dieses schmale Land zwischen Anden und Pazifik, das sich mit einer Länge von über 4000 km über fast alle erdenklichen Klimazonen erstreckt.

Und so führte mich  2007 eine Reise mit Wikinger vom subantarktischen Patagonien im Süden über das gemäßigte Seengebiet bis zur trockensten Wüste, der Atacama, im Norden. Um das alles während einer dreiwöchigen Reise sehen zu können, waren vier Inlandsflüge notwendig.

Meine Traum-Reise begann in Patagonien, meiner Meinung nach der schönste Teil Chiles.

Auf Schotterpisten zu den Torres del Paine

Wenige Kilometer hinter Puerto Natales hört die Zivilisation auf. Die angenehme asphaltierte Straße geht in eine holprige Schotterpiste über. Die Straße zum Nationalpark Torres del Paine führt durch die Pampa vorbei an Guanacos, Nandus, Füchsen, Kühen, Schafen und Pferden.

Und dann sind sie plötzlich zu sehen – die Granittürme der Torres del Paine. Zwar schauten sie zuerst nur schüchtern zwischen den Wolken hindurch, aber die ganze Reisegruppe war in hellster Aufregung ein tolles Bild zu schießen. So als ob man die Torres in den nächsten paar Tagen im Park nicht mehr zu sehen kriegen würde! Als nach einer kleinen Ewigkeit doch noch jeder ein einigermaßen zufriedenstellendes Bildergebnis auf seine Kamera gebannt hatte, konnte die Fahrt endlich weitergehen.

Nach weiteren gefühlten 1000 Fotostopps erschienen nach einer Wegbiegung die wie an den patagonischen Himmel gemalten Cuernos – die Hörner – des Paine-Gebirgsmassiv. Ja wirklich, man hat das Gefühl ein Ölgemälde abzufotografieren. Ihre unterschiedliche Färbung erhalten sie durch zwei verschiedenen Gesteinsschichten.

Endlich im Park selbst angekommen, heißt es dann Wandern, Wandern, Wandern. Aber ein kleiner Tipp für alle, die sich auf in die unberührte Natur Patagoniens machen wollen: sichert eure Habseligkeiten gut am Körper! Ja was? Gibt es in dieser menschenleeren Gegend etwa Langfinger? Ja. Und zwar einen schwer ergreifbaren – den ständig mehr oder weniger stark wehenden Wind! In unserer Reisegruppe gingen einige Mützen, ja und sogar Brillen verloren! Auch lange Haare sollte man gut zusammenbinden, wobei das ein recht aussichtsloses Unterfangen ist. Mützen kann man eindeutig nicht tragen. Ein Tuch schon eher, aber selbst die halten dem Wind nicht immer stand. Und selbst tausende Haarklammern helfen nicht wirklich. Irgendwie schafft es der Wind trotzdem sich der Haare zu ermächtigen und sie zu Rastalocken zu verdrehen!